Navigation und Service

8. Kann man auch ohne Einschaltung einer deutschen Adoptionsvermittlungsstelle im Ausland ein Kind adoptieren?

Bei der Beantwortung dieser Frage ist zu unterscheiden zwischen Vertragsstaaten des Haager Adoptionsübereinkommens und solchen, die dem Übereinkommen nicht angehören. Bei der Adoption aus einem Vertragsstaat ist die Beteiligung von autorisierten Vermittlungsstellen verpflichtend vorgesehen. Autorisierte Stellen im Heimat- und Aufnahmestaat prüfen in eigener Zuständigkeit jeweils die Adoptionsbedürftigkeit bzw. die Elterneignung. Das Adoptionsverfahren darf nur fortgesetzt werden, wenn die entsprechenden Stellen beider Staaten dem zugestimmt haben (Artikel 17 Buchstabe c HAÜ). Eine Adoption ohne Einschaltung einer autorisierten Vermittlungsstelle ist also nicht erlaubt. Bei der Adoption eines Kindes aus einem Vertragsstaat unter Verstoß gegen das Übereinkommen – insbesondere bei der Nichtbeteiligung einer deutschen Zentralen Behörde (wie die örtlich zuständige Adoptionsvermittlungsstelle des Landesjugendamtes oder eine zugelassene Adoptionsvermittlungsstelle in freier Trägerschaft) – steht die Anerkennungsfähigkeit der Adoption (Voraussetzung für die Einreise nach und den Aufenthalt in Deutschland) in Frage.
Bei Nichtvertragsstaaten ist das Erfordernis einer wechselseitigen Zustimmung des Heimat- und des Aufnahmestaates zur Fortführung des Adoptionsverfahrens vom Gesetz zwar nicht vorgesehen. Eine Adoption ohne Einschaltung einer deutschen Vermittlungsstelle ist damit zwar nicht grundsätzlich verboten, birgt aber nicht zu unterschätzende Risiken in sich.

Die Bundeszentralstelle für Auslandsadoption rät daher grundsätzlich davon ab, eine Auslandsadoption ohne Einschaltung einer deutschen Vermittlungsstelle durchzuführen, da sowohl bei der Einreise des Kindes nach Deutschland als auch bei der späteren Anerkennung der Adoption durch das Familiengericht im Anerkennungs- und Wirkungsfeststellungsverfahren oder im Umgang mit anderen Behörden (z. B. Standesamt oder Passamt) erhebliche Probleme auftreten können.

Im Rahmen der Beurteilung der Anerkennungsfähigkeit einer Auslandsadoption ist festzustellen, dass die ausländische Entscheidung das Kindeswohl in einem den hiesigen gesetzlichen Grundvorstellungen (sog. ordre public) genügenden Maße berücksichtigt hat. Nach der Gesetzesbegründung zum Adoptionswirkungsgesetz (Bundestagsdrucksache 14/6011, Seite 29) setzt eine dem deutschen ordre public genügende Kindeswohlprüfung eine umfassende fachliche Begutachtung der gesamten Lebensverhältnisse der Bewerber voraus, die nach der Vorstellung des Gesetzgebers in der Regel nur durch eine Fachstelle am Lebensmittelpunkt der Bewerber geleistet werden kann. Fehlt eine solche Begutachtung, begründet dies Zweifel an der Vereinbarkeit der ausländischen Adoptionsentscheidung mit dem deutschen ordre public, denen im gerichtlichen Verfahren nachzugehen ist (dazu auch unter Nr. 15).
Nach hiesigen Erkenntnissen werden den Adoptivkindern in der Regel durch die deutschen Auslandsvertretungen entsprechende Einreisepapiere für die Bundesrepublik Deutschland nur dann erteilt, wenn es sich um eine ordnungsgemäß unter Einschaltung einer deutschen Vermittlungsstelle begleitete Adoption handelt oder bereits eine gerichtliche Anerkennungsentscheidung nach dem Adoptionswirkungsgesetz ergangen ist.

Die Notwendigkeit der Einschaltung einer Adoptionsvermittlungsstelle im Inland ergibt sich auch daraus, dass Kinder aus Nichtvertragsstaaten ebenso wie Kinder aus Vertragsstaaten des Adoptionsübereinkommens Schutz bei internationalen Adoptionsverfahren benötigen. Die Verhinderung unstatthafter Vorteile im Zusammenhang mit ihrer Adoption, insbesondere von Kinderhandel, ist nicht nur Aufgabe der Herkunftsstaaten der Kinder, sondern auch der Staaten, in denen potentielle Abnehmer solcher Kinder leben. Von einer Adoption ohne Einschaltung einer Auslandsvermittlungsstelle ist auch dann abzuraten, wenn Anwälte oder sonstige "Fachleute" schnelle und "unbürokratische" Hilfe gegen teilweise erhebliche Geldzahlungen anbieten. Die Berücksichtigung des Kindeswohls bei den Adoptionsentscheidungen im Heimatstaat des Kindes hängt in solchen Fällen von den dort geltenden Anforderungen ab, die sich aber gelegentlich auf die Prüfung von Standesurkunden, der finanziellen Verhältnisse, der Gesundheit und Vorstrafen der Bewerber reduzieren. Auch sind die Herkunft der Kinder und insbesondere das Bedürfnis, sie im Rahmen einer internationalen Adoption ins Ausland zu verbringen, nicht immer hinreichend geklärt.

Diese Seite

Creative Commons Lizenzvertrag Soweit nicht anders gekennzeichnet, stehen die Texte auf dieser Seite unter einer
Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.