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Australische Familienrichterin besucht Bundesamt für Justiz

Bonner Bundesbehörde hilft bei internationalen Sorgerechtskonflikten

Ausgabejahr 2012
Datum 23.01.2012

Bonn. Die Zentrale Behörde für internationale Sorgerechtskonflikte im Bundesamt für Justiz konnte im Januar die australische Familienrichterin Victoria Bennett vom Family Court of Australia zu einem Arbeitsbesuch begrüßen. Frau Bennett ist in Australien unter anderem zuständig für Verfahren nach dem Haager Kindesentführungsübereinkommen. Daher nahm sie die Einladung der Leiterin der deutschen Zentralen Behörde, Dr. Andrea Schulz, sich anlässlich einer Europareise mit den für Australien zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der deutschen Zentralen Behörde auszutauschen, gerne an. Auch dem Amtsgericht Köln stattete sie einen Besuch ab, bevor sie – ebenso wie Teilnehmende der deutschen Zentralen Behörde und des Bundesministeriums der Justiz – zu einem Erfahrungsaustausch aller 87 Vertragsstaaten des Haager Übereinkommens nach Den Haag weiterreiste.

Das Bundesamt für Justiz ist die Zentrale Behörde Deutschlands nach diesem Haager Übereinkommen. Das Bundesamt hilft, wenn sich Eltern über internationale Grenzen hinweg um ihr Kind streiten. Entführt ein Elternteil ohne Zustimmung des anderen sorgeberechtigten Elternteils beispielsweise das gemeinsame Kind ins Ausland, so wird das Sorgerecht des zurückbleibenden Elternteils verletzt. In diesem Fall müssen die Gerichte über die Rückführung des Kindes in den Staat entscheiden, in dem es bisher seinen Lebensmittelpunkt hatte. Die deutschen Gerichte sind in den Fällen zuständig, in denen ein Kind aus dem Ausland nach Deutschland entführt wird. Die Frage, wie das Sorge- und Umgangsrecht für das Kind für die Zukunft geregelt wird, ist nicht Gegenstand des Gerichtsverfahrens über die Rückführung des Kindes. Sie soll in dem Staat geklärt werden, der dies am besten beurteilen kann, weil das Kind dort bisher gelebt hat.

Das Haager Kindesentführungsübereinkommen hat mittlerweile 87 Vertragsstaaten. Zwischen Deutschland und Australien gibt es einige Kindesentführungsfälle, die aufgrund der großen Entfernung zwischen den beiden Ländern nicht einfach sind. Insbesondere der Umgang zwischen dem Kind und dem Elternteil, der im jeweils anderen Land lebt, ist den Elternteilen hier nur mit großem zeitlichem und finanziellem Aufwand möglich. Um die Gerichtsverfahren – ggf. auch mithilfe einer Mediation – dennoch zu einem positiven Ausgang zu führen, arbeiten die Zentralen Behörden Deutschlands und Australiens in Rückführungs- und Umgangsverfahren im Interesse der betroffenen Familien und vor allem der Kinder eng und vertrauensvoll zusammen. Oft sind dabei auch Gerichtsverfahren in beiden Ländern miteinander zu koordinieren. Hierzu können die Verbindungsrichterinnen und –richter des sogenannten Haager Richternetzwerks von den beteiligten Gerichten eingeschaltet werden. Justice Bennett ist neben der Präsidentin des Family Court of Australia, Diana Bryant, als Verbindungsrichterin im Haager Netzwerk benannt. Ebenso wie in Australien gibt es auch Deutschland zwei Verbindungsrichterinnen für das Haager Richternetzwerk: Frau Martina Erb-Klünemann vom Amtsgericht Hamm und Frau Sabine Brieger vom Amtsgericht Pankow/Weißensee in Berlin.

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